Saatgut massschneidern / Designer crops
Dank der Genschere CrisprCas9 könnten heute schnell und präzise resistente Pflanzen gezüchtet werden. Das würde zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen. Im Moment dürfen gentechnisch veränderte Pflanzen in der Schweiz jedoch nicht angebaut werden.
Genetik statt Chemie
Interessant sind Pflanzen, die ideal an ihre Umgebung angepasst sind und umweltschonend angebaut werden können. Erreichen kann man gewünschte Qualitäten durch herkömmliche Zuchtverfahren, neuerdings aber auch mit CrisprCas9. Die 2012 entwickelte und seither laufend verbesserte Genschere ermöglicht es, einzelne Gene eines Genoms zu verändern oder auszutauschen und damit die Eigenschaften von Pflanzen gezielt zu verändern. «Bestimmte Eingriffe mit der Genschere unterscheiden sich nicht von dem, was in der Natur passiert», sagt Ueli Grossniklaus, «sie ist so gesehen eine neue Variante in einer Palette von bestehenden Zuchtverfahren.» Tatsächlich lassen sich solche mit der Genschere veränderte Pflanzen nicht von klassisch gezüchteten unterscheiden.
Für Pflanzenbiologe Grossniklaus hat CrisprCas9 ein grosses Potenzial für die nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft, denn damit könnten schnell und präzise resistente Pflanzen gezüchtet werden. Beispielsweise Getreide-, Gemüse- und Obstsorten, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind, aber auch solche, die besser gegen Umweltstress – wie Hitze, Staunässe oder Trockenheit – gewappnet sind. «Pflanzen, die etwa weniger Wasser oder Dünger brauchen, können viel zu einer ressourcenschonenden Landwirtschaft beitragen», sagt der Forscher.
Auch die Schweiz könnte davon profitieren. Etwa indem Kartoffeln angebaut werden, die gegen die Blatt- und Knollenfäule resistent sind. Um die edlen Knollen vor dieser Krankheit zu schützen, spritzen Bauern heute viel Chemie, und auch im biologischen Landbau wird im grossen Stil Kupfer ausgetragen, um des Problems Herr zu werden. Beides belastet den Boden und könnte mit widerstandsfähigeren Pflanzen vermieden werden.
Saatgutfirmen profitieren
Für den Biologieprofessor Grossniklaus ist die strikte Regulierung in der Gentechnologie in der Schweiz und der EU denn auch das zentrale Problem. Sie verhindere jegliche Innovation und spiele den grossen Saatgutfirmen in die Hände. «Ein gentechnisch verändertes Produkt auf den Markt zu bringen, kostet 200 bis 300 Millionen Franken und benötigt ein ganzes Team von Patentspezialisten und Rechtsanwälten», sagt der Forscher, «das können sich nur grosse Unternehmen leisten.»
Wären die Auflagen dagegen weniger streng, könnten eine Vielzahl von Startup-Firmen aus der Forschung an den Universitäten herauswachsen und eine breite Palette von zahlbarem und für unterschiedliche Anbaubedingungen massgeschneidertem Saatgut entwickeln. «Das gäbe einen riesigen Innovationsschub für die nachhaltige Landwirtschaft von morgen», ist Ueli Grossniklaus überzeugt.
Ueli Grossniklaus ist Mitglied des Swiss Plant Science Web.
Quelle
UZH News (auf Deutsch).
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